Am Biebricher Rheinufer links des Biebricher Schlosses in Richtung Schierstein an einem Steg soll die Rheinkrake Wiesbaden, eine Passivmüllfalle entstehen. Sie soll künftig Plastikmüll aus dem Rhein fischen und gleichzeitig ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Umweltschutz vor der eigenen Haustür beginnt und letztendlich jeder einen kleinen aber entscheidenden Beitrag dazu leisten kann.
Es ist ein trauriges Bild: Wer am Biebricher Rheinufer spazieren geht, findet zwischen Steinen und Muscheln nicht nur Natur, sondern auch jede Menge Plastikabfälle wie Einweg-Vapes oder Zigarettenstummel. „Jeden Tag treibt etwa eine Tonne Abfall den Rhein hinunter“, sagt Sibylle Bimmermann von der „Initiativgruppe Ideen für Biebrich e.V.“. Das macht jährlich rund 150.000 Kilogramm Plastik, das schließlich im Meer landet. Mikroplastik ist längst in Mägen von See- und Wasservögeln und auch in Fisch zu finden und neue Studien belegen: Mikroplastik ist sogar im menschlichen Gehirn nachweisbar. Erstaunlicherweise geht die Hälfte des weltweiten Mikroplastiks auf Reifenabrieb zurück. Mikroplastik findet sich daher auch vermehrt im Boden. Noch stärker belastet sind aber Gewässer.
Lokales Engagement mit großer Wirkung

Doch während Politik und Behörden noch über Zuständigkeiten diskutieren, handelt eine kleine Gruppe Engagierter im Wiesbadener Stadtteil Biebrich. Seit 2018 engagiert sich die Initiativgruppe Ideen für Biebrich für Umweltschutz und für mehr Lebensqualität in ihrem Biebricher Stadtteil. „Jeder kann vor der eigenen Haustür etwas bewegen“, betont Vorstandsmitglied Frank Döcke. Was als monatliche Müllsammelaktion startete, ist längst zu einer Bewegung geworden: Die vom Verein initiierte App „Biebrich bewegt“ zählt bereits 3.000 Nutzer. Und das Kulturkaufhaus Biebrich, mittlerweile ein eigener Verein, bereichert den Wiesbadener Stadtteil mit Kultur und Events.
Die Rheinkrake: Eine Müllfalle mit System

Doch das wohl ehrgeizigste Projekt der Initiativgruppe Ideen für Biebrich ist die Rheinkrake Wiesbaden, eine festinstallierte Passivmüllfalle. Inspiriert von einer ähnlichen Anlage in Köln soll sie am Biebricher Rheinufer, links des Schlosses in Richtung Schierstein an einem Steg installiert werden. Die Rheinkrake nutzt die Strömung des Rheins, um Müll in zwei Auffangkörbe zu leiten – ganz ohne Energie, allein mit der Kraft des Wassers. Im ersten Korb landen große Plastikteile, im zweiten feinere Partikel. „Fische und Kleinstlebewesen werden durch die Rheinkrake nicht gefährdet“, erklärt Sibylle Bimmermann. Eine Webcam soll das Müllaufkommen nach der Installation live ins Internet übertragen. Solarzellen sorgen für die vorgeschriebene Beleuchtung der Krake für die Schifffahrt, und das nur mit nachhaltiger Energie aus Sonnenkraft.
Rund 40.000 Euro kostet das Leuchtturmprojekt. Finanziert wird es allein durch private Sponsoren, darunter die Stiftung Flughafen Frankfurt und die Wepa Stiftung. „Für uns war es wichtig, unabhängig von Steuergeldern zu bleiben“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Krebs. Da sich kein lokales Ingenieurbüro in Hessen mit dem nötigen Know-how fand, arbeitet der Verein nun mit Partnern aus Nordrhein-Westfalen zusammen.
Kampagne machte „Plastikflut“ erlebbar

Vom 12. September bis 2. Oktober 2025 machte die Kampagne „Klar zum Wandel – Wiesbaden gegen die Plastikflut“ das Müllproblem für eine breite Öffentlichkeit greifbar. In der Orangerie am Biebricher Schloss präsentierte der Fotograf Clemens Molinari KI-generierte Bilder von Plastik-Meereswelten, die auf die Vermüllung der Meere und anderer Gewässer aufmerksam machen sollen. Im „Müllseum“, einer gemeinsamen Kooperation mit der Initiative CleanupWiesbaden, waren skurrile Funde aus vergangenen Clean-ups zu sehen: eine kaum verrottete Pril-Flasche aus den 1960er-Jahren oder auch gut erhaltene Capri-Sonne-Beutel aus den 1970er-Jahren. Alles Beweise dafür, dass Plastik auch nach Jahrzehnten kaum verrottet.
„Bei einem Firmen-Cleanup im Naturschutzgebiet Wallufer Bucht haben wir kürzlich an zwei Tagen rund 1,4 Tonnen Plastikmüll eingesammelt. Der Rhein verkommt zur Mülldeponie. Das muss sich ändern“, sagt Tanja Methien von CleanupWiesbaden. Doch die Kampagne bot nicht nur Aufklärung, sondern auch Lösungen: zum Beispiel Vorträge zur Kreislaufwirtschaft, Upcycling-Workshops und einen Mitnahme-Flohmarkt. Ein besonderer Höhepunkt war die Podiumsdiskussion in der Orangerie am Biebricher Schloss am 24. September 2025. Unter der Moderation von Journalist und Schirmherr der Kampagne, Thomas Ranft, bekannt aus der beliebten hr-Sendung alle wetter!, diskutierten Experten spannende Aspekte rund um das Umweltproblem und boten den Gästen wertvolle Einblicke.
Umweltprojekt mit Signalwirkung
Die Rheinkrake ist mehr als ein Umweltprojekt: Sie ist ein Symbol für lokales Engagement mit globaler Wirkung. Geplant ist nach der Installation auch eine langfristige Kooperation mit der Universität Mainz und dem Studiengang Umweltwissenschaften, etwa zu Feinstaubmessungen und Mikroplastikforschung. Schulklassen sollen die Passivmüllfalle besuchen und durch Müllsammelaktionen und in Workshops lernen, wie man Plastik vermeidet und wie wichtig es ist, dass wir auf unsere Umwelt achten. „Wir wollen, dass die Menschen begreifen, was Plastik mit unserer Umwelt macht – und mit uns selbst“, so Sibylle Bimmermann.
„Dass in Köln neuerdings jeder neue Schiffssteg ein Nachhaltigkeitskonzept vorweisen muss, ist auch ein Mitverdienst der dortigen Rheinkrake“, sagt Ingmar Lohmann von der Wepa Stiftung. Die Projektinitiatoren der Rheinkrake Wiesbaden hoffen daher, auf eine ähnliche umweltpolitische Signalwirkung in Hessen.
Doch der wichtigste Effekt der Rheinkrake Wiesbaden ist, dass sie nicht nur Bewusstsein für das Müllproblem schafft, sondern Menschen verbindet. Sie motiviert uns alle, nicht weg, sondern hinzusehen und selbst aktiv zu werden! De Initiativgruppe Ideen für Biebrich beweist mit ihrem Projekt: Veränderung beginnt im Kleinen – und wirkt im Großen!
Infokasten

Rheinkrake Wiesbaden (Initiativgruppe Ideen für Biebrich)
https://rheinkrake-wiesbaden.de
Mitmachen erwünscht!
Müllsammelaktionen von CleanupWiesbaden finden immer jeden ersten Sonntag im Monat von 10-12 Uhr am Biebricher Muschelstrand in der Nähe des Biebricher Schlosses statt. Weitere Informationen unter www.cleanupwiesbaden.de.










